Gemeinsame Presseinformation der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH, der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH & der CONOSCOPE GmbH
Wildau/Leipzig, 1. Oktober 2026. Fünf Jahre nach seiner Eröffnung liegt erstmals eine umfassende empirische Bilanz der wirtschaftlichen Wirkung des Flughafens BER vor: Allein aus seiner Rolle als Auftraggeber und Arbeitgeber stehen rund 35.200 Vollzeitarbeitsplätze, 3,7 Mrd. Euro Wertschöpfung und 233,5 Mio. Euro Steuereinnahmen in Berlin und Brandenburg mit dem Flughafen in Verbindung. Das zeigt die Studie „Wirtschaftsmotor BER“, die die Leipziger CONOSCOPE GmbH unter Mitarbeit des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge (KOWID) an der Universität Leipzig im Auftrag der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH (WFG) und in Kooperation mit der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) erstellt hat. Die Ergebnisse wurden am 30. September 2026 im Rahmen der Konferenz „SO26 – Der Wirtschafts- und Standortkongress Brandenburg-SÜDOST-Berlin“ am Flugplatz Schönhagen vorgestellt.
Jeder Arbeitsplatz am BER sichert 1,2 weitere in der Region
Die Flughafengesellschaft und die 166 am Flughafen ansässigen Betriebsstätten bieten 15.894 Vollzeitarbeitsplätze für rund 20.000 Beschäftigte. Über Aufträge an regionale Zulieferer und die Konsumausgaben der Beschäftigten kommen rund 19.300 weitere Vollzeitarbeitsplätze in Berlin-Brandenburg hinzu: Jeder Arbeitsplatz am BER zieht 1,2 weitere in der Region nach sich. Mit diesen Arbeitsplätzen sind Einkommen von rund 2 Mrd. Euro und eine Wertschöpfung von 3,7 Mrd. Euro verbunden. Die Gesamteffekte verteilen sich auf die Hauptstadt und das Umland. In Berlin stehen knapp 19.700 Vollzeitarbeitsplätze mit 1,2 Mrd. Euro Einkommen, 1,5 Mrd. Euro Wertschöpfung und rund 134 Mio. Euro Steuereinnahmen mit dem BER in Verbindung.
Dahme-Spreewald: Flughafen prägt den Arbeitsmarkt des Landkreises
Gemessen an der eigenen Wirtschaftskraft ist der BER für den Landkreis Dahme-Spreewald von besonderer Bedeutung. Rund 6.700 Vollzeitarbeitsplätze – nahezu jeder achte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz im Landkreis – ist auf den Flughafen zurückzuführen, verbunden mit Einkommen von 339 Mio. Euro. Die zugehörige Wertschöpfung von 1,4 Mrd. Euro entspricht knapp 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Kreises. Rund 20 Mio. Euro Gewerbesteuer, ein Zehntel des Aufkommens im Landkreis, gehen auf die Wirtschaftstätigkeit des Flughafens zurück.
Weitere Effekte aus Reiseverkehr, Luftfracht und Konnektivität
Über die Rolle als Auftraggeber und Arbeitgeber hinaus wirkt der BER auf weiteren Ebenen. Reisende, die über den BER in die Region kommen, lösen Nachfrage in Hotellerie, Gastronomie, Handel und Freizeitwirtschaft aus; allein in den drei Landkreisen entstehen daraus rund 1.200 Vollzeitarbeitsplätze. Über den BER wurden 2025 Waren im Wert von 4,3 Mrd. Euro ausgeführt; mit diesen Luftfrachtexporten stehen in der regionalen Wirtschaft rund 22.900 Vollzeitarbeitsplätze in Verbindung. Diese Größen beschreiben eigenständige Wirkungskanäle und sind nicht mit den Effekten aus dem Flughafenbetrieb zu addieren. Hinzu kommen katalytische Effekte: Die internationale Anbindung stärkt Produktivität, Innovationsfähigkeit und Standortattraktivität und begünstigt Ansiedlungen und Investitionen. Diese Wirkungen hat die Studie über eine Unternehmensbefragung und Experteninterviews erfasst.
Unternehmen sehen weiteres Potenzial bei Angebot und Anbindung
An der Befragung mit Unterstützung der IHK Berlin, der IHK Potsdam, der IHK Cottbus und der Handwerkskammer Cottbus beteiligten sich 1.004 Betriebe. Unter den Unternehmen mit Auslandsgeschäft zählt für 44 Prozent der BER zu den fünf wichtigsten Standortfaktoren ihrer Region. Während der Flughafen bereits ein breites nationales, europäisches und interkontinentales Streckennetz bietet, sehen viele Unternehmen weiteres Potenzial für zusätzliche Verbindungen und eine noch bessere Erreichbarkeit. Mit dem Langstreckenangebot zeigen sich 7 Prozent der befragten Betriebe zufrieden, beim Kurzstreckenangebot sind es 26 Prozent. Die landseitige Verkehrsanbindung wird von 62 Prozent als relevanter Standortfaktor genannt, bei einer Zufriedenheit von ebenfalls 26 Prozent.
Fünf Handlungserfordernisse für Politik und Wirtschaft
Aus den Befunden leitet die Studie fünf Handlungserfordernisse ab, die über die Entwicklung des BER als Wirtschaftsmotor der Region mitentscheiden:
- Verbesserung der Konnektivität: Die Anbindung der Hauptstadtregion an nationale und internationale Märkte wird durch die Nachfrage der Reisenden und Unternehmen ebenso geprägt wie durch die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Wettbewerbsfähige Standortbedingungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Fluggesellschaften zusätzliche Verbindungen anbieten und die Konnektivität der Region weiter gestärkt werden kann.
- Infrastruktur ausbauen: Auf den Hauptzufahrten werden täglich 130.000 Verkehrsbewegungen gezählt, Prognosen gehen von rund 250.000 aus. Nötig sind leistungsfähige Schienenanbindungen einschließlich tangentialer Verbindungen rund um Berlin, die Verlängerung der U7 und innovative Lösungen für die Feinverteilung.
- Flächen entwickeln: Am Flughafen entstehen Quartiere mit Entwicklungsflächen für Luftfahrt, Forschung, modernen Workspaces und Dienstleistungen. Freie Kapazität und abgeschlossene Planungsverfahren sind ein Standortvorteil gegenüber anderen Großflughäfen.
- Fach- und Arbeitskräfte: Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Berufsschulen der Region rekrutieren international; die Erreichbarkeit über den BER ist dabei ein wiederholt genanntes Argument. Abgestimmte Fachkräftestrategien von Unternehmen, Bildungsträgern und Wirtschaftsförderung können dieses Potenzial heben.
- Tourismus: Die touristischen Effekte konzentrieren sich bislang stark auf Berlin und das unmittelbare Flughafenumfeld. Ein vernetztes Destinationsmanagement, längere Aufenthalte und mehr Tagungsgeschäft können den BER vom Durchgangspunkt zum Impulsgeber für die gesamte Metropolregion machen.
Stimmen
Sven Herzberger, Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald:
„Die Flughafenstudie belegt das enorme Wachstumspotenzial des BER für unsere Region. Damit es sich voll entfaltet, müssen wir an den richtigen Stellschrauben drehen: von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen und dem Ausbau der Infrastruktur bis hin zu einer gezielten Fachkräftestrategie. Wenn Politik, Wirtschaft und Kommune Hand in Hand arbeiten, wird der BER seine Rolle als Wirtschaftsmotor für die gesamte Metropolregion weiter ausbauen.“
Marion Schirmer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH:
„Die Studie zeigt, welche Kraft der BER für unsere Region entfaltet – und wo wir noch Potenzial liegen lassen. Dieses Potenzial heben wir nur gemeinsam: mit den Landkreisen, den Unternehmen, den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, dem BER und der Landespolitik in Berlin und Brandenburg. Flughafen- und Regionalentwicklung gehören untrennbar zusammen. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die die Datenerhebung unterstützt haben – insbesondere der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, den Industrie- und Handelskammern Cottbus, Potsdam und Berlin sowie der Handwerkskammer Cottbus. Ihr Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, die vielfältigen Stimmen und Perspektiven der regionalen Wirtschaft sichtbar zu machen.“
Axel Eschment, Geschäftsführer Personal der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH:
„Ein Flughafen verbindet nicht nur Menschen und Märkte, sondern schafft auch Wohlstand für seine Region. Die Ergebnisse der aktuellen Wirtschaftsstudie zeigen eindrucksvoll, welchen Beitrag der BER zur wirtschaftlichen Entwicklung für Berlin und Brandenburg leistet. Wenn wir die positive Entwicklung des BER fortsetzen wollen, müssen wir seine Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Umfeld stärken. Neben der Marktnachfrage spielen auch politische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Luftverkehrsteuer und Standortkosten beeinflussen, wie attraktiv ein Flughafen für Airlines im Vergleich zu anderen europäischen Standorten ist.“
Thomas Lehr, Geschäftsführer der CONOSCOPE GmbH:
„Die 35.200 Arbeitsplätze bilden den BER als Arbeitgeber und Auftraggeber ab. Hinzu kommen Effekte aus Reiseverkehr und Luftfracht sowie die Wirkung der internationalen Anbindung auf Ansiedlungen und Investitionen. Gerade für das Umland ist der Flughafen gemessen an der eigenen Wirtschaftskraft von besonderer Bedeutung.“
Jens Warnken, Präsident der Industrie- und Handelskammer Cottbus:
„Der BER ist weit mehr als ein Verkehrsknotenpunkt. Er ist der wirtschaftliche Herzschlag der Region, der als einer der bedeutendsten regionalen Arbeitgeber sowie als ausbildendes Unternehmen Talente mit vielfältigen beruflichen Hintergründen, Qualifikationen und Karrierewegen anzieht. Gleichzeitig baut er eine Brücke in die Welt, über die internationale Arbeits- und Fachkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie innovative Branchen den Weg in die regionale Wirtschaft und Forschungslandschaft finden. Umso wichtiger ist es, dass wir die Flughafen-Region rund um den BER als globales Tor und vernetzten Wirtschafts- und Lebensraum begreifen: Nur indem Freizeit, Wohnen und Arbeiten sowie Mobilität und Infrastruktur ineinandergreifen, sichern wir langfristig die Anziehungskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Region Brandenburg-SÜDOST-Berlin – eine Mammutaufgabe, für die wir ein abgestimmtes Miteinander brauchen.“
Sylke Radke, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus:
„Die Flughafenstudie hat gezeigt, welche Potenziale im Umfeld der Metropolregion vorhanden sind. Hier gemeinsam konkrete weitere Schritte zur Umsetzung und damit zur Wertschöpfung zu schaffen, ist die Herausforderung der Zukunft.“
Robert Rückel, Vizepräsident der IHK Berlin:
„Die Studie macht deutlich: Internationale Direktverbindungen sind für die Unternehmen der Hauptstadtregion kein Nice-to-have, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen sind Langstreckenverbindungen relevant, doch nur 7 Prozent sind mit dem Angebot zufrieden. Wer Berlin-Brandenburg als Wirtschaftsstandort erhalten will, muss die Konnektivität verbessern und den BER stärken. Eine Ausweitung des Nachtflugverbots würde dem BER und damit der Hauptstadtregion die Lebensgrundlage entziehen."
Über die Studie
Die Studie quantifiziert die Wirkungen des BER auf Beschäftigung, Einkommen, Wertschöpfung und Steuern für Berlin-Brandenburg, die Region Brandenburg-Südost-Berlin und den Landkreis Dahme-Spreewald. Grundlage sind eine regionalisierte Input-Output-Analyse auf Basis interner Daten der FBB und der ansässigen Betriebsstätten, die Fluggastbefragung 2025, eine Luftfrachtanalyse, eine Unternehmensbefragung mit 1.004 Teilnehmenden sowie 19 Experteninterviews. Die jährlichen Effekte des Flughafens wurden für das Bezugsjahr 2025 berechnet.